Die Tour von Rosshäusern Station nach Gümmenen Bahnhof ist kurz – und kurzweilig. Wir entdecken das romantische und wenig bekannte Flüelebachtäli, passieren putzige Fachwerkhäuser, zwei historische Mühlen und promenieren auf dem angenehmen Saane-Uferweg. Gegen Ende der Wanderung erwarten uns beeindruckende Zeugen der Brückenbaukunst: der Saaneviadukt von 1901 und die 1739 erstellte, gedeckte Holzbrücke von Gümmenen. Mehrere Abschnitte auf Hartbelag.
Der Westen der Region Bern-Mittelland hält eine besondere Preziose bereit: das Flüelebachtäli. Wobei: So idyllisch und ruhig wie heute war es hier nicht immer. Bis zur Inbetriebnahme des neuen Rosshäuserntunnels im Herbst 2018 raste die Bahn durch den oberen Talabschnitt. Nun – dank umfangreicher Wiederherstellungsmassnahmen – hat die Natur ihren Platz wieder: Der Bach wurde renaturiert, Hecken wurden gepflanzt, Trockenstandorte und artenreiche Wiesen angelegt, der alte Tunnel als Lebensraum für Fledermäuse aufgewertet.
Doch beginnen wir von vorn. Ausgangspunkt der knapp zweistündigen Tour ist Rosshäusern Station (579 Meter). Wir folgen der Stationsstrasse (Wegweiser: Gümmenen), vorbei an den mächtigen Gebäuden der Landi Bern-West, bis links ein Strässchen zum Mäderforst-Ischlag abzweigt. Nur kurz sind wir im Wald, dabei halten wir uns stets rechts (Wegweiser «Gümmenen»). Über offenes Feld erreichen wir die Häusergruppe Brünnenmoos. Für 100 Meter müssen wir mit einer breiteren, wenig befahrenen Strasse vorliebnehmen, ehe uns eine ansteigende Grasspur ins Berghölzli führt. Wenig später gelangen wir nach Rosshäusern (600 Meter) mit seinen gepflegten Bauernhöfen und Speichern.
Nun senkt sich der Weg mit schönem Ausblick ins Flüelebachtäli (Wegweiser: Gümmenen). Bei der ehemaligen Schnurrenmühle (548 Meter) überqueren wir den renaturierten Flüelebach. Ein Postkarten-Idyll – nichts erinnert daran, dass hier bis vor wenigen Jahren noch die Züge der Linie Bern–Neuenburg durchfuhren. In leichtem Auf und Ab folgen wir zunächst dem Bachlauf nach Westen, neugierig beäugt von den hier grasenden Kühen, bis wir auf die neue Doppelspurstrecke treffen. Gut 500 Meter weiter, bei den Häusern von Eggenberg (517 Meter), unterqueren wir die Bahnlinie (Wegweiser: Gümmenen). Nun begleitet uns wieder der muntere Flüelebach. Bald stehen wir vor der sorgfältig restaurierten Flühlenmühle aus dem 19. Jahrhundert. Ihr imposantes Wasserrad und das traditionelle Mahlwerk sind bis heute funktionstüchtig. Der Verein Flühlenmühle (siehe «Weiterführende Informationen») nimmt die historische Mühle ab und an in Betrieb.
Zum Abschluss der Tour spazieren wir bequem auf dem Uferweg der Saane (Wegweiser: Gümmenen), der uns in einem weiten Rechtsbogen nach Gümmenen bringt. Malerisch ist auch hier die Szenerie. Zudem begegnen wir einem Baudenkmal von nationaler Bedeutung: dem 400 Meter langen Eisenbahnviadukt, der seit 1901 die Saane und den weiten Talboden überquert und das Landschaftsbild stark prägt. Eine Viertelstunde später, in Gümmenen (476 Meter), wartet ein weiteres prachtvolles Bauwerk auf uns: die gedeckte Holzbrücke aus dem 18. Jahrhundert, die heute etwas verloren wirkt neben ihrem modernen – und deutlich weniger charmanten – Pendant. Die Brücke bietet schöne Ausblicke auf die Saane und einen stimmungsvollen Übergang zum Ortsteil Kleingümmenen. Von da sind es nur noch wenige Wanderminuten (und Höhenmeter) bis zum Bahnhof Gümmenen (494 Meter).