Das Belper Unternehmen alupak AG und
die Energie Belp AG haben gemeinsam ein Projekt zur Abwärmenutzung realisiert.
Damit lassen sich jährlich momentan rund 100 Tonnen CO₂ einsparen.
Anruf bei Jean-Michel With, Gemeindevizepräsident von Belp und Verwaltungsrat
der gemeindeeigenen Energie Belp AG.
Die Belper Unternehmung alupak AG ist Weltmarktführerin bei sogenannten Single-Serve-Verpackungen aus Aluminium, dazu zählen insbesondere auch Nespresso-Kapseln für die ganze Welt. Zugleich ist sie eine der grössten Kundinnen der Energieversorgerin Energie Belp AG. Gemeinsam gehen die beiden Partnerinnen neue Wege bei der Nutzung der Abwärme aus der Industrieproduktion.
Die Gemeinde Belp und die Energie Belp AG sprechen beim Projekt mit alupak von einem Leuchtturmprojekt. Was macht dieses Nahwärmeprojekt beispielhaft – vielleicht auch für andere Gemeinden in der Region?
Es ist uns gelungen, industrielle Abwärme wirtschaftlich nutzbar zu machen – dies trotz der dafür benötigten, rund einen Kilometer langen und kostspieligen Leitungsinfrastruktur. Für die Wirtschaftlichkeit war es zentral, dass es in der näheren Umgebung Abnehmer für die Wärme gibt. Sonst fallen die Infrastrukturkosten zu hoch aus.
Was bringt dieses Projekt den Einwohner:innen von Belp? Spüren sie das zum Beispiel bei den Heizkosten oder bei der Versorgungssicherheit?
Für die Einwohner:innen bedeutet dies, dass für die Wärmeversorgung weniger Holz oder Öl verbrannt wird und somit weniger Emissionen entstehen. Auf die Versorgungssicherheit hat das Projekt nur einen relativ geringen Einfluss, da die Abwärme aus der alupak-Produktion lediglich eine von mehreren Einspeisequellen ist. Die Menge reicht nicht, um von einer Redundanz zu sprechen, das heisst vom Aufrechterhalten der Versorgungssicherheit im Falle eines Ausfalls der Nahwärmezentrale Steinbach.
Wie gross sind die Einsparungen bei Holz und Öl?
Dank der Nutzung der alupak-Abwärme kann in der Nahwärmezentrale Steinbach das gesamte Heizöl eingespart werden, das sind rund 38’000 Liter. Dank der Abwärme lassen sich hier zusätzlich 890 Kubikmeter Holzschnitzel einsparen. Insgesamt fallen so etwa 100 Tonnen CO₂ weniger an.
Das Projekt zeigt, wie Industrie, Energieversorger und Gemeinde zusammenarbeiten können. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren in dieser Partnerschaft?
Wesentlich war sicher, dass keine Renditeaussichten im Vordergrund standen. Durch den teuren Leitungsbau war es anspruchsvoll, ein solches Projekt wirtschaftlich umzusetzen. Ganz grundsätzlich versucht der Belper Gemeinderat, eine aktive Wirtschaftspolitik zu betreiben. Wir besuchen die wichtigsten Unternehmungen in Belp periodisch und pflegen so einen proaktiven Dialog. Auf dieser Basis entwickelte sich auch das Fernwärmeprojekt mit alupak.
Welche Chancen bietet die geplante Verbindung der Wärmeverbünde Steinbach und Dorf?
Die Verbindung der beiden Wärmeverbünde soll es vor allem im Sommer erlauben, Wärme zwischen den Verbünden auszutauschen. So wird es möglich, die Erzeugeranlagen des einen Verbundes im Sommer zu revidieren, ohne auf die Ölkessel zurückgreifen zu müssen. Leider haben wir bisher noch nicht alle Dienstbarkeiten für den Zusammenschluss erhalten.
Können sich künftig mehr Haushalte an das Nahwärmenetz anschliessen?
Eine generelle Perimetervergrösserung ist nicht möglich, da die Netztopologie diese nicht erlaubt. Falls es zur Verbindung der beiden Wärmeverbünde kommt, kann es vor allem punktuell zu einer Verdichtung im Verbund Dorf kommen. Das heisst, dass dort noch einzelne zusätzliche oder höhere Gebäude angeschlossen werden könnten.
Solche Infrastrukturprojekte bringen oft technische, finanzielle oder planerische Herausforderungen mit sich. Gab es im Verlauf des Projekts Hürden, aus denen auch andere Gemeinden etwas lernen können?
Die grösste Hürde war das Baugesuchsverfahren, da es immer schwieriger wird, Kulturlandflächen für Leitungsbau zu nutzen. Ein weiterer Knackpunkt liegt bei den Dienstbarkeiten, die private Liegenschaftsbesitzer:innen gewähren müssen. Hier ist eine frühzeitige Einbindung der Eigentümerschaften wichtig.
Viele Gemeinden beschäftigen sich derzeit mit der Dekarbonisierung ihrer Wärmeversorgung. Welche Empfehlungen würden Sie anderen Gemeinden der RKBM mitgeben, die ähnliche Projekte prüfen?
Alternativen zu fossilen Not- und Spitzenlastkesseln zu finden, ist nicht immer einfach. Das Thema beschäftigt auch die Begleitgruppe Energie und die Arbeitsgruppe Dekarbonisierung der RKBM stark. Deshalb laufen die Vorbereitungen für einen ERFA-Anlass für die Gemeinden zum Thema «Bestehende Wärmeverbünde klimatauglich umbauen». Der Erfahrungsaustausch mit Beteiligung von verschiedenen Energieversorgungsunternehmen soll 2027 stattfinden und insbesondere den Gemeinden praxisnahe Erkenntnisse und Empfehlungen bringen.